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Stell dir vor es ist Schule und jeder will hin...

von Tanja Feistner & Anuschka Hörr


Wenn man die Augen schließt und an „Schule“ denkt, dann erscheint vermutlich bei fast allen Menschen ein ähnliches Bild: Doppelbänke aus Holz, die auf eine grüne Tafel am Ende eines Raumes ausgerichtet sind. Die Wände zieren bunte Lernplakate oder Kunstwerke der Schülerinnen und Schüler, die den Raum etwas freundlicher aussehen lassen sollen. Die meisten Menschen verbinden wahrscheinlich sogar einen ganz bestimmten Geruch mit diesem Bild.

 

Und genau das ist das Interessante an unserem kleinen Gedankenexperiment. Denn egal aus welcher Generation wir stammen oder woher wir kommen, unser imaginäres Bild von „Schule“ verändert sich kaum. Die Erklärung hierfür ist relativ einfach. Während sich die Welt in den vergangenen Jahrzehnten in rasantem Tempo weiterentwickelt hat, gibt es einen Ort, an dem weitgehend alles noch beim Alten ist: Unsere Schulen.  

Doch auch die Schule ist ein Ort, den man verändern kann, damit unsere Kinder auf die Herausforderungen unserer Zeit gut vorbereitet sind. Davon ist das Team der Firma LernLandSchaft® in Röckingen am Hesselberg überzeugt. Im laufenden Schulalltag gibt es jedoch nur wenige Möglichkeiten und zeitliche (und häufig auch finanzielle) Ressourcen, um das bestehende System zu hinterfragen und Veränderungen anzustoßen. Daher bieten sich Sanierungen und Erweiterungen an, um neben einer neuen Raumkultur auch das Lernen und die Zusammenarbeit innerhalb der Schule in den Blick zu nehmen. Genau hier setzt die Lernlandschaft® an.

 

Was das konkret bedeutet, wird an der Grund- und Mittelschule in Bechhofen deutlich. Nachdem beim Umbau der Schule bereits die NutzerInnen in den Planungsprozess einbezogen wurden und gemeinsam ganz klar ihre Bedarfe formuliert haben - entstanden offene Lernlandschaften, in denen weiterhin Frontalunterricht stattfinden kann, jedoch gleichzeitig mehr Raum für Förderung, Differenzierung und Bewegung besteht.  Das größte Potenzial des Lernens in offenen Lernlandschaften liegt in der Möglichkeit des individuellen Lernens.  Inputphasen wechseln sich mit selbständigen Lernphasen an den Marktplätzen, die als erweiterter Lernraum die Klassenräume miteinander verbinden, ab. Damit ändern sich auch die Rolle der Lehrkraft, der Schule und des Lernens selbst. Lehrkräften ist durchaus bewusst, dass es wenig erfolgreich ist, allen Schülern zur gleichen Zeit mit gleichen Mitteln das Gleiche beizubringen. Um dies fachpädagogisch zu begleiten, begann vor rund eineinhalb Jahren ein innovativer Schulentwicklungsprozess, der Modellcharakter für die gesamte Region Hesselberg besitzt.


Im Rahmen der Schulentwicklung erarbeiten die ExpertInnen der LernLandSchaft® gemeinsam mit der Schulfamilie in verschiedenen Modulen Lösungen für pädagogische und gesellschaftliche Herausforderungen. Im Modul „Unterricht “ wird beispielsweise ausgearbeitet, wie die Schule die Kinder und Jugendlichen realistisch und praxisnah auf das spätere Leben vorbereiten kann. Angestrebt wird zudem, dass die SchülerInnen künftig noch bewusster verstehen, weshalb sich lernen lohnt und wie Lernen wirksam wird. Zudem sollen Reflexionsrunden das Lernen aus Fehlern würdigen und individuelle Lernzuwächse deutlich machen. Auch die Themen Digitalisierung, Umwelt, Klimawandel, Inklusion, Gesundheit oder Demokratieerziehung werden in einzelnen Modulen aufgegriffen und praxisnah, sowie in Einklang mit dem offiziellen Lehrplan auf­be­reitet.

 

Für den Markt Bechhofen – in seiner Rolle als Schulträger – lohnt sich der zeitliche und finanzielle Aufwand. „Wir leisten hier Pionierarbeit“, ist sich Bürgermeister Helmut Schnotz sicher. „Die große Nachfrage und die zufriedenen Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrerinnen und Lehrer zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“. Unterstützt wird der Markt Bechhofen bei seinen Bemühungen durch das EU-Förderprogramm LEADER. Rund 35.000 Euro Fördermittel werden der Kommune aus den Mitteln der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Region Hesselberg für das Projekt zur Verfügung gestellt.

 

Noch in diesem Jahr soll das LEADER-Projekt abgeschlossen werden. „Der Entwicklungsprozess wird aber kontinuierlich weitergehen“, wissen die ProjektkoordinatorInnen von der Lernlandschaft® und hoffen, dass auch andere Schulen in der Region den Mut haben, einen solchen Veränderungsprozess anzustoßen. 

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