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"Nicht schon wieder Kärtchen kleben..."

Bürgerbeteiligung in der Regionalentwicklung

von Anuschka Mlodzik


Ob LEADER, ILE, Regionalmanagement oder Dorferneuerung - überall soll man als interessierter, heimatverbundener Bürger seinen Senf dazugeben. Am Ende dauern die Prozesse ewig lang und die guten Ideen, die im Workshop mühsam entwickelt wurden, landen in Form eines Konzeptpapiers in irgendeinem Schreibtisch. Schublade zu. Idee weg.

 

Das ist die langläufige Meinung mit der man als Regionalmanager immer wieder konfrontiert wird. Und ganz ehrlich? Tatsächlich kommt es viel zu häufig vor, dass gute Ideen letztlich nicht umgesetzt werden. Oder dass Prozesse sich so lange hinziehen, dass der Weg von der ersten Idee im Workshop bis zum fertigen Projekt kaum noch nachvollziehbar ist. Diese Tatsache frustriert und sorgt dafür, dass man sich - auch als noch so engagierter Bürger - beim nächsten Workshop zwei Mal überlegt, ob man hingeht oder den wohlverdienten Feierabend doch lieber auf der Couch verbringt.

 

Aber wie kommt es überhaupt dazu? Warum versanden so viele gute Ideen?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Meist scheitern die Ideen an ganz banalen Dingen: Zu teuer. Falsche Kostenart. Nicht förderfähig. Über diese bürokratischen Hürden kann man sich nun aufregen. Im Endeffekt gibt der Fördermittelgeber jedoch nicht nur das Geld, sondern auch die Regeln vor. Schließlich investiert er hohe Summen in unterschiedlichste Projekte und benötigt ein gewisses Instrumentarium, um zu gewährleisten, dass die Gelder einen Beitrag zu den von ihm gesteckten Zielen leisten. Nun gut. Einige Ideen scheitern jedoch an einem ganz anderen Problem. Nämlich an der Frage nach der Verantwortung.

Für die Umsetzung einer guten Idee braucht es jemanden, der sich für sie begeistert. Und zwar so sehr begeistert, dass derjenige bereit ist, Herzblut, Zeit, Nerven und eventuell sogar Geld zu investieren. Jemanden, der die Verantwortung übernimmt.

Denn genau das ist der Gedanke, der hinter der Regionalentwicklung steht. Aus der Gemeinschaft heraus sollen Ideen entwickelt werden, die einen Bedarf in der Region wiederspiegeln und für einzelne in dieser Gemeinschaft so relevant sind, dass sie aufgegriffen und umgesetzt werden. Dabei ist es in der Regel egal, ob es sich um eine Kommune, einen Verein oder eine Privatperson handelt. Die Regionalmanager, die die Fördergelder verwalten, sollten in diesem Prozess lediglich als Impulsgeber, Begleiter und Berater fungieren und dafür sorgen, dass die Ideen durch Fördergelder unterstützt werden.

 

Es scheint logisch, dass bei dieser Herangehensweise nicht jede gute Idee auch zu einem Projekt wird. Häufig findet sich niemand, der bereit ist Verantwortung für ein Projekt zu übernehmen. Denn nicht jede Idee begeistert auf Anhieb. Und nicht jede Idee ist für die Region passend. Manchmal muss eine Idee vielleicht erst noch reifen. Oder zu demjenigen vordringen, der für sie brennt.

Deshalb werden auch weiterhin viele Ideen aus Workshops einfach versanden. Doch mit jeder Idee, die aufgegriffen und erfolgreich umgesetzt wird, entwickelt sich die Region zum Positiven. Genau deshalb ist es so wichtig, weiterhin an den Workshops teilzunehmen und seine Ideen mit der Gemeinschaft zu teilen. Und vielleicht findet sich beim nächsten Workshop ein Mutiger, der sich für eine Idee begeistert und die Region dadurch ein Stückchen nach vorne bringt.

Für uns können wir sagen: So lange wir nicht alle Mutigen und Begeisterungsfähigen in der Region aufgespürt haben, werden wir in unseren Workshops auch weiterhin gute Ideen sammeln und gemeinsam mit unseren Akteuren entwickeln. Ganz ohne das viel belächelte "Kärtchen kleben" wird das leider nicht möglich sein. Doch auch wir sind mutig und werden nach klebenden Alternativen und neuen Formaten suchen. Versprochen.

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